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Die Legende von den schwarzen Rössern

Wenn des nachts in den windigen Steppen Khands die Alten und Weisen der Variags den Jungen am Feuer die Legende des Dushgor erzählen, wird der Funke geschlagen um das Feuer der Rache im Herzen der Steppenreiter zu entfachen:

„Ich erzähle die Geschichte vom Dushgor, dem legendären König Ûvtha Achf. Er war Herrscher der von ihm vereinten Krieger- und Reiternomadenstämme der Ioriag, von denen wir stammen. Dushgor, der im weitentfernten Rohan heute Dwimmorlaik genannt wird, bekam zu Lebzeiten zwei ganz besondere Geschenke. Diese zwei Geschenke wirkten sich über die nächsten Jahrtausende verheerend auf das Schicksal des Königs, auf das Schicksal seines Volkes und auf die Geschicke anderer Völker der Welt aus. Sein riesiges Ioriag-Reich erstreckte sich vor tausenden von Jahren und am Höhepunkt seiner Herrschaft von den Landen unserer heutigen Heimat in Khand bis weit nach Nordosten über die endlosen Steppen von Palisor. Er schloss sich dem Bündnis an, das der dunkle Herr Murdurs im Osten gründete. Zeitgleich lebte ein weiteres Reitervolk weit oben im Norden, nordwestlich vom Reiche Ûvthas, und von diesem durch mächtige Gebirge, reißenden Flüssen und düsteren Wäldern getrennt. Diese großgewachsenen, blonden Nachfahren des Hauses Hador waren des harten Kampfes mächtig. Aber sie waren doch eher verweichlichten, friedlicheren Ursprungs und traten damals dem Bündnis des Nordens bei. Wir nannten sie schon immer Strohköpfe. Sehr viel später nannte man das Volk Éothéod, und heute kennt man es unter den Namen Rohirrim.


Die Herrscher dieses Nordvolkes ritten ganz besondere Pferde. Es waren die wilden Nachkommen von Nahr, dem Hengst des schrecklichen Valrs Orom. Es waren die größten, stärksten und schnellsten aller Pferde von Mittelerde. Es stand nur dem Anführer der Strohköpfe zu, eines dieser weißen Pferde zu reiten, nachdem er es selbst gefangen und in Zaum gelegt hatte. Dies war bei ihnen über Jahrtausende alte Tradition. Erst später zu Zeiten des widerlichen Eorls wurden die ängstlichen weißen Mears aus den langlebigen Nachkommen Nahrs in Rohan gezüchtet. Die sind sehr schnell, damit die feigen Rohirrim besser fliehen können. Obwohl alle Nachkommen Nahrs Schimmel waren, so gab es eines mit schwarzem Fell, das weit abseits der Herde wild, ungestüm und bedrohlich in der Wildnis des Nordens wütete. Dieser schwarze Hengst, Unriht genannt, war in den Augen der Nordmänner nicht bei Sinnen, denn er griff nicht nur Menschen und Tiere in scheinbar blinder Wut an, sondern zerstörte auch ohne scheinbaren Grund Bäume und Sträucher. Doch der junge Rappe erkannte als einziger seines Blutes, dass die Strohköpfe ein Krankes und falsches Volk sind. Aber Unriht erschien trotz seiner Stärke und Eleganz in den Augen der Nordmänner ein krankes Tier zu sein und er sollte getötet werden, damit Nahrs Nachkommen nicht auf ewig geschädigt sein sollten. Doch der Herrscher des Nordvolkes hatte Übles im Sinne, und ließ den Hengst von fünfzig seiner Gefolgsmannen fangen. Nur dreißig überlebten die Tat, aber Unriht war gefangen. Dann schickte er fünf der mächtigsten seiner Hexer-Höflinge als Botschafter ins ferne Land der Ioriag, um scheinbare Friedensverhandlungen am Hofe Ûvthas zu führen, denn ihm war bewusst, welche Gefahr dem Nordbündnis durch unser Volk im Osten drohte.


Unriht sollte als verfluchtes Gastgeschenk für den Steppenherrscher dienen. Bei Hofe angekommen schilderten die Gesandten die Tradition des Nordvolkes und lobten mit Hinterlist das edle aber auch das wilde Wesen des Hengstes, in der Hoffnung Ûvtha würde es ihren Brauch nach gleichtun und bei dem Versuch, Unriht zu bändigen, sterben. Unbeschadet bezwang jedoch Ûvtha den mächtigen Unriht. Nach drei Tagen des tollkühnen Kampfes und mit viel Mut, Kraft und Geschick war er stolz, ein so einzigartiges, großes und edles Pferd sein eigen nennen zu können. Unser König fand Gefallen am wilden und furchtlosen Wesen des Hengstes, der nur seinem Herrn treu war. Unriht wurde ab dann nur noch „donnernder Schatten“, also Bûrgul`zgurûrz, genannt. Die Friedensverhandlungen wurden mit den Reitern des Nordens durchgeführt. Der König war sich nicht bewusst, dass die Strohköpfe einen heimtückischen Plan ausgeheckt hatten, der gescheitert war. Doch die Hexer der Ur-Rohirrim hatten eine weitere List geplant, schon auf dem Weg in das Land von Ûvtha verfluchten sie Unrith.


Der König wunderte sich auch nicht, als die Nordmänner nur halbherzig verhandelten. Eines hatten sie zumindest erreicht: Unriht weit weg vom Land der Strohköpfe zu bringen. Der Versuch war es zumindest wert, einem argen Feind auf derart schändliche Art und Weise zu schaden. Der stolze und ehrenhafte Ûvtha bedankte sich viele Male großzügig für das gelungene Gastgeschenk, erwies sich während der Verhandlungstage als gastfreundlich und räumte eine mondlange Bedenkzeit ein, um mit seinen Generälen zu beraten. Voll Stolz auf seine wertvollste Errungenschaft ließ Ûvtha sein ganzes Reiterheer zum Hofe seiner Zelthauptstadt rufen, um sich, auf dem mächtigen Bûrgul`zgurûrz sitzend und drei Köpfe über den Häuptern seiner berittenen Krieger, zu präsentieren. Niemand bemerkte die kleine offene, eitrige Hautstelle im Kotenbehang am Huf des Hengstes. Dann wurde im Zelt des Königs beraten. Die Ioriags beschlossen, das treue Bündnis mit dem Shakh`bûrz nicht zu brechen und schickten die Strohköpfe wieder zurück in ihre Heimat.


Nach elf Monaten warf sich ein dunkler Schatten über das Heerlager und über die Hauptstadt des mächtigen Königs. Die Pferde der Ioriag wurden von einer seltsamen und ansteckenden Krankheit befallen, die an den Häuten der Tiere großflächige, blutige und eitrige Stellen und Geschwüre wie auch wurmartige Gebilde unter der Haut entstehen ließ. Nach zwei Wochen starben alle Pferde im Reich. Damit starb ebenfalls die Lebensgrundlage unseres damaligen Volkes, die Größe unseres Reichs und die Macht Ûvthas. Denn schnell war klar, dass Bûrgul`zgurûrz die Wurzel allen Übels war, denn auch wenn er ebenfalls die Krankheitsbilder in kleiner Form zeigte, so war er weiterhin lebendig und diente seinem Herrn als kräftiges, treues Reittier. Nach Wochen der Unruhen starben auch die ersten Ioriags an dieser Krankheit. Nach geplanter Keulung erlagen die letzten der Ioriagpferde der Seuche. Die Stammesführer wendeten sich von Ûvtha ab. Und verbannten Bûrgul`zgurrûrz mitsamt seinem Reiter. Der stolze König wollte sich von seinem Schlachtross nicht trennen und suchte nach Rat und nach einer Lösung des elendigen Problems bei seinen ehemaligen Verbündeten. Der dunkle Herr Murdurs klärte unseren König auf, dass er auf eine schändliche Missetat der hinterlistigen Strohköpfe und ihrem Bündnis hereingefallen war, dass Unriht in ihrer Sprache böse, unrecht und verkehrt bedeutete, dass sie dieses Pferd als krank erkannten, dass sie es als mangelhaft und somit minderwertig angesehen hatten und dass sie ihn, den König der mächtigen Ioriags, damit verhöhnen, beleidigen und schaden wollten, was sie auch erreicht hatten.


Wut, Zorn und blinder Hass stiegen in Ûvtha auf. Er verfluchte die Strohköpfe und ihre Verbündeten im Westen und schwor endlose, grausame und blutige Rache. Der Shakh`bûrz von Murdur indes bot dem König seine Hilfe an und schenkte ihm einen Ring, der ihm Einfluss und Macht über sein Volk zurückgab und ihn ermächtigte sich auf ewig zu rächen, denn die Reiter des Nordens sollten für ihre Taten endlos büßen. Mit dem Ring stoppte er im Land die Krankheit von dem Fluch der Rohirrim, und zog als Dushgor Dwimmorlaik mit einem Heer aus Uruks in sein Land. Er rächte sich an den untreuen Stammesfürsten und verfluchte ihre Sippen, nahm sich sein Volk zurück und führte es wieder unter dem Shakh`bûrz zu neuer Größe. Neue Heerespferde zur Zucht wurden von den Verbündeten Murdurs weit im Osten gestellt. Die Stämme vereinten sich wieder, und Bûrgul`zgurûrz, das geliebte und treue Pferd des Pferdeherren, wurde an die Grenze von Murdur und Khand gebracht. Dort auf der heutigen Koppel der Schwarzen Rösser wurden also damals schon die ersten Nachkommen des „donnernden Schatten“ gezüchtet und Ûvtha errichtete dort seine Zelthauptstadt, um in seiner Nähe zu sein, denn er sah sich mit ihm schicksalhaft verbunden. Ob Braune, Schimmel, Fuchs oder Falbe, ob wendige Steppenstute oder starke Wagenstute, die zum Decken zur Ebene gebracht wurden, die jungen Hengste glichen immer dem Vater. Die Stuten, ob Mutter oder Tochter, starben nach der Tragzeit an der Krankheit. Die Söhne von Bûrgul`zgurûrz werden heute noch von den Wichtigen des Bündnisses geritten, denn auch nach Jahrtausenden wurden sie nur stärker im Wesen, denn nur die Stärke, die Ausdauer und die Furchtlosigkeit blieben.


Das Reich zerfiel, aber der Ring, der in Murdur geschaffen wurde, sicherte unserem Herrscher sein ewiges Dasein. Dushgor und die Nachkommen von Bûrgul`zgurûrz unterstützen den Herrn Murdurs über tausende von Jahren bei seinen Kriegen gegen die Westlinge. Der Shakh`bûrz bot ihm im Gegenzug die Möglichkeit seinen grausamen Racheplänen für immer nachzugehen. Wir, die Variags, des Dushgors treue Untertanen und die Nachkommen seines großen Volks der Ioriags, dienen unserem ewigen König und Pferdeherren weiterhin. Wir verfluchen die falschen Strohköpfe, wir rächen uns an ihnen für ihre widerlichen Taten, und wir rauben Stuten, auf dass sich die Nachkommen von Bûrgul`zgurûrz auf ewig decken mögen und für den Kampf vorbereitet seien. Und wir danken dem Gönner des Dushgor, dem Shakh`bûrz von Murdur, auf dass er unserem Herrn und uns auf ewig auf dem blutigen Pfad der Vergeltung begleiten möge.“

Aus den Erzählungen von Drazna Grathef , Weiser Akash'Uruk und alter Reiter der Variags, 2934 D.Z.

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